Yoga und Meditation

Yoga und MS aus Sicht einer Yogalehrerin

 

 

Vor drei Jahren hat mich Denise Affolter angerufen, um an einer Yoga Schnupperstunde teilnehmen zu dürfen. Ihr Leben mit MS nehme oft Ihre ganze Energie in Anspruch und sie suche etwas, damit sie mit mehr Gelassenheit den Stressituationen im Alltag begegnen könne. Ich fühlte mich mit dieser Anfrage im Moment etwas überfordert und musste einmal tief durchatmen.Wir vereinbarten, dass Denise im Rollstuhl zur nächsten Yogastunde kommen würde, um unverbindlich zu schnuppern.

 

Nach der ersten Lektion hatte ich kein gutes Gefühl. Die ganze Situation war für mich persönlich insofern unbefriedigend, dass ich den unterschiedlichen Ansprüchen meiner Gruppe so nicht gerecht werden konnte. Ich telefonierte mit meiner Yogalehrerin, Margaretha Stühl, um die neue Situation mit ihr zu besprechen. So zeichnete ich für Denise einige persönliche Yogaübungen auf ein Blatt Papier, das ich ihr jeweils vor der Stunde gab. In einem weiteren Gespräch trafen wir die Abmachung, dass wenn die Gruppe eine Übung ausführte, die Ihre Möglichkeiten übertraf, sie jeweils eine speziell für sie aufgezeichnete Variante wählte. Also z. B. auch eine Vorbeuge, aber anstatt stehend führte sie sie sitzend aus.

 

So entstand langsam ein Vertrauensverhältnis. Die Gruppe akzeptierte Denise von Anfang an. Im ersten Semester kam sie zusammen mit ihrem Mann ins Yoga. Heute besucht Denise den Yogaunterricht alleine. Sie kommt trotz Rollstuhl, ohne fremde Hilfe, mit dem Auto. In einer Einzellektion haben wir zusammen ein individuelles Übungsprogramm erarbeitet. Denise übt regelmässig zu Hause Yoga. Wir führen ab und zu Gespräche über ihre Erfahrungen beim Üben, über die Fortschritte, aber auch über die Rückschritte. Für mich ist es eine grosse Bereicherung zu sehen, wie die kleinen Erfolgserlebnisse bei Denise zu mehr Selbstvertrauen und Lebenskraft führen. Das Üben auf dem Stuhl ist im Moment ein neues Entdeckungsfeld. Durch die korrekte Aufrichtung der Wirbelsäule im Sitzen verspürt Denise mehr Kraft und Stabilität im Becken und im Rücken. Ihre Füsse sind auf dem Boden aufgestellt, dies gibt Denise eine bessere Wahrnehmung in den Fussohlen und in den Beinen und ein neues Lebensgefühl.

 

dBerg

 

Ich bin sehr dankbar, dass durch Denise eine solche Herausforderung im Yogaunterricht an mich herangetreten ist. So musste ich mich mit einer individuellen Übungspraxis auseinander setzen. Es ist mir klar ge-worden, dass Yoga seine Möglichkeiten erst dann wirklich umfassend und tief entfaltet, wenn die Yogapraxis dem übenden Menschen angemessen ist. Jetzt kann sich Yoga intensiv mit ihm, seinen Wünschen und Gegebenheiten vebinden. Im Yoga ist der Weg das Ziel. Der Mensch muss immer wieder kleine Schritte tun in die richtige Richtung und sich ab und zu fragen:"Wohin gehe ich eigentlich?"

 

Als Yogalehrerin macht es mir Freude Denise in ihrer Yogapraxis be-gleiten zu dürfen. Hier wird für mich sichtbar, dass Yoga in eine positive Richtung wirkt. Vielleicht gibt dieser Bericht anderen MS-Betroffenen auch Mut zum Yogaweg. Bei aller Bereitschaft braucht es aber viel Geduld, Ausdauer und Disziplin.

 

 

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